Im Management

Generationswechsel und Digitalisierung: 6 Tipps für Firmennachfolger

Bild: © Bildagentur PantherMedia / Rawpixel

Generationswechsel im Mittelstand: Die Herausforderungen bei der digitalen Transformation

Laut einer Studie der KFW steht für 618.000 Unternehmen des Mittelstands bis 2017 ein Generationswechsel an. Ungefähr jeder sechste Mittelständler ist betroffen. In vielen Firmen geht mit Generationswechsel oder Firmennachfolge auch ein hoher Digitalisierungsdruck einher. Davon sind de facto alle Unternehmen und Branchen von A wie Anlagenbau bis Z wie Zeitung betroffen, und der Zeitdruck, die digitale Transformation für sämtliche Prozesse abzubilden, ist hoch.

Neue Technologien und Geschäftsmodelle erfassen ganze Sektoren mit noch nie dagewesener Geschwindigkeit. Etablierten Unternehmen („Incumbents“) droht damit der Verlust ihrer Vormachtstellung. Und das Management vieler mittelständischer Unternehmen erkennt zwar die Notwendigkeit, ihre digitalen Kompetenzen zu verstärken – weiß aber nicht wie.

Es stellt sich die Frage, ob man nicht beide Herausforderungen, das heißt den Generationswechsel sowie die Notwendigkeit der digitalen Transformation gemeinsam beleuchten sollte. Denn der neue Geschäftsführer könnte das Thema ja gleich mit angreifen, wenn der Senior in den wohlverdienten Ruhestand geht. Aber ganz so einfach ist es wohl nicht. Eine neue Führungsfigur eignet sich gegebenenfalls gut, um neue, verbesserte Technologielösungen zu implementieren. Aber er muss sich auch in das Bestandsgeschäft einarbeiten. Wieder eine doppelte Herausforderung.

6 Fragen für Firmennachfolger, die ihr Unternehmen ins digitale Zeitalter befördern wollen

Folgende Fragen helfen, die Notwendigkeit von digitalen Prozessen zu erkennen und Digitalisierung erfolgreich umzusetzen.

1.     Wie verfolgen wir digitale Ideen?

Finden Sie heraus, wo Sie die besten Ideen hervorzaubern können. Besonders als neue Führungskraft sind Sie auf Ideen Ihrer Teams angewiesen. Strukturieren Sie Ihren „digitalen Transformations-Ideen-Prozess“ von der Brainstorming-Session bis zur Umsetzung. Definieren Sie, welche Filter und Validierungen Sie an die Flut von Ideen ansetzen, um eine Shortlist zu erstellen. Prüfen Sie, ob Ihre Mitarbeiter wirklich an die jeweiligen Ideen glauben, indem Sie sie zum Beispiel (auf die Umsetzung der Idee) unternehmerisch incentivieren.

Prüfen Sie zudem Ihre Ansätze in Gesprächen mit Digitalexperten, bevor Sie in die Umsetzung investieren. Die weitreichende Digitalexpertise und Perspektive eines Außenstehenden ist wichtig für Sie und die Selbstreflexion Ihrer Ideen. Kritische Fragen kommen somit früh auf den Tisch, was dazu führt, dass mögliche Probleme vorzeitig aufgedeckt werden können.

Laden Sie aber auch außenstehende Experten zu Ihren Brainstormings ein. Frei von Paradigmen und Betriebsblindheit können Außenstehende eventuell Ihr Unternehmen viel besser neu erfinden als Sie selbst. Besetzen Sie vielleicht auch Ihren Beirat mit außenstehenden Digitalexperten, um Ihr Unternehmen durch die digitale Transformation zu führen.

2.     Sind meine Leute überhaupt gewillt und ermächtigt zu handeln?

Versuchen Sie, Ihren leitenden Mitarbeitern und ganzen Teams wirkliche unternehmerische Verantwortung und Führungskompetenzen zu übertragen. Vieles muss schnell entschieden und umgesetzt werden. Bürokratie und ein „Aber das haben wir schon immer so gemacht“ sollte es möglichst nicht geben. Fehler sind erlaubt – nicht jedoch, sich gegen die Digitalisierung zu stellen. Identifizieren Sie die „Problemseher“ in Ihrem Unternehmen: Diejenigen, die versuchen, die digitale Entwicklung schlecht zu reden oder gar zu stoppen und suchen Sie das Gespräch.

Jedem wird dann bewusst, dass sein Arbeitsplatz durch „keine Veränderung“ sehr wahrscheinlich deutlich mehr bedroht ist als durch die digitale Transformation. Denn in der Regel verlieren die Unternehmen, die sich nicht transformieren, gegen die Neuerfinder der Branche. Dies klingt hart, aber sie brauchen jetzt Mut, um in Ihrem gesamten Unternehmen die digitale Transformation zu meistern.

3.     Wie könnten wir testen und lernen?

Erfolgreiche „Digitaltransformierer“ testen Ansätze und Softwarelösungen iterativ – eventuell sogar gemeinsam mit Kunden oder Lieferanten. Testen Sie, „wie gerne“ Mitarbeiter beispielsweise die neue Softwarelösung annehmen oder wie gut Prozesse unterstützt werden würden. Nicht zielfördernd wäre es, wenn Sie lange „im stillen Kämmerlein“ an Lösungen bauen, die am Ende keiner gut findet oder adaptiert. Testen und lernen heißt nicht, dass jeder macht, was er will. Es bedeutet viel mehr, regelmäßig die Entwicklungen am beziehungsweise mit dem Nutzer zu testen.

4.     Sind unsere Budgets erfolgsgebunden?

Viele digitale Transformationsprozesse und -projekte werden behindert durch starre Budgetrahmen und Freigabeprozesse, welche kaum die notwendigen Veränderungen in Unternehmen widerspiegeln oder erlauben.

Versuchen Sie daher, die erforderlichen Budget-Rahmen für Ihre digitale Transformation und zum Beispiel die notwendigen Software-Lizenzen freizustellen. Beobachten Sie aber regelmäßig die Projektfortschritte sowie messbare Returns on Investment. Erlauben Sie auch (kleinere) Budgets für Testpiloten und Business-Development-Ideen. Oft ermöglichen sie im Anschluss die Umsetzung größerer Projekte mit geringerem Risiko.

Häufig liegen Budget und Effizienzgewinn auch nah beieinander. Mit dem Einsatz der richtigen Tools lassen sich auch bei geringem Investment, also bei weniger Marketing-Budget, mehr Performance und Return on Investment erzielen. Kurzum: Ihr Budget sollte sich auch am digitalen Fortschritt orientieren und nicht nur an Budget-Zyklen.

5.     Wie verändert sich unsere Kundenbeziehung?

Sie könnten sich, um die Auswirkungen der Digitalisierung zu verstehen, visualisieren, wie und wo sich Ihre Kundenbeziehungen verändern könnten. „Kundenbeziehung“ meint die Summe aller Interaktionen mit Ihrem Kunden (eventuell auch vor dem Zeitpunkt, ab dem er überhaupt Kunde wird). Denken Sie praktisch darüber nach, wann, wie, wieso, warum, über welche Kommunikationsmittel Sie mit Ihren Kunden (oder auch Lieferanten und Vertriebspartnern) interagieren.

Schnell wird Ihnen ein- beziehungsweise auffallen, wie digitale Entwicklungen hier Ihre aktuellen Lösungen verbessern werden. Versuchen Sie, die Kundenbeziehung und -prozesse genau zu analysieren und zu identifizieren, welche Technologien Sie dafür einsetzen könnten.

Zukünftig, nach Realisierung Ihrer digitalen Transformation, das heißt beispielsweise Implementierung eines modernen Customer Management Systems (CRMs), wird es Ihnen dann noch besser gelingen, den Kunden in den Mittelpunkt Ihres Wirkens zu stellen. Softwaregestützt werden Sie aller Voraussicht nach die Customer Journey von Anfang bis Ende effizienter und besser abbilden können als vorher.

6.     Wie können unsere Mitarbeiter effizienter zusammenarbeiten?

Eine digitale Transformation findet nicht „in einer Abteilung“ statt oder wird „durch ein Team entwickelt“. Vielmehr betrifft sie alle Unternehmensbereiche und Mitarbeiter. Machen Sie sich daher Gedanken, wie Ihre Teams oder Abteilungen miteinander und untereinander besser kommunizieren können. Kollaboration und teamübergreifende Prozesse, um verschiedene Funktionen und Expertisen einzubinden, werden immer wichtiger.

Adressieren Sie auch Ihre Aufgaben und das Projektmanagement hinsichtlich der digitalen Neuausrichtung Ihres Unternehmens in funktionsübergreifenden Teams. Bringen Sie Leute aus IT, Produkt, Marketing, Sales und Entwicklung mit Ihren komplementären Erfahrungen zusammen, um gemeinsam die Herausforderungen für das Unternehmen zu adressieren. Hinter dem Team sollte die gesamte Geschäftsführung stehen, um ihm bei einer derart großen Herausforderung den Rücken zu stärken.

Und zuletzt …

... gibt es nicht die „eine“ Maßnahme oder das „eine, richtige, große Projekt“, welches Ihr Unternehmen erfolgreich ins digitale Zeitalter führt. Die digitale Transformation ist kein zeitlich oder inhaltlich zu begrenzendes Projekt, sondern vielmehr ein Portfolio an Maßnahmen und Initiativen Ihres Unternehmens, welche in Ihrer Gesamtheit die digitale Transformation abbilden.

Sich obengenannten Fragen und Aufgaben zu stellen, ist nicht leicht, besonders wenn das Unternehmen gerade einen Generationswechsel durchlebt hat. Aber es hilft sicher, sich frühzeitig diese Fragen zu stellen, um die Chancen auf eine erfolgreiche digitale Transformation Ihres Unternehmens zu erhöhen. 

Dies ist ein Fachbeitrag von Salesforce. Der Artikel wurde am am 18. Dezember 2015 auf dem Salesforce Blog verfasst und veröffentlicht. Wenn Sie mehr über das Unternehmen erfahren möchten, besuchen Sie den Salesforce Company Touch Point auf der Connexpo tools Berlin 2016!