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Digitization Story - Hermes

In unserer neuen Reihe "Digitization Stories" nehmen wir deutschlandweit Unternehmen in den Fokus, die sich mit den ersten Schritten der digitalen Transformation in ihrem Unternehmen auseinandersetzen. Das Logistikunternehmen Hermes stellt sich anhand eines kurzen Profils vor.

Pack- und Ladeprozess Hermes (Quelle: Hermes)

 

Wer seid Ihr, was macht Ihr?

Mitte der 1960er Jahre stellte der Versandhandelsverband in einer Untersuchung fest, was man im Hause OTTO längst wusste: Die Deutsche Bundespost sei zu teuer, zu langsam, zu unsicher. Werner Otto, Gründer und damaliger Vorstandsvorsitzender des Otto Versandes, initiierte daher ein Konzept zur postunabhängigen Zustellung von Päckchen und Paketen. 1972 war es dann soweit: der Hermes-Paket-Schnell-Dienst wurde gegründet.

Heute ist die Hermes Logistik Gruppe Deutschland (kurz: HLGD) einer der größten Zusteller in den Bereichen B2C und C2C und gehört zu den erfolgreichsten Logistikunternehmen Deutschlands und Europas. Als verlässlicher Logistikpartner für den Versand- und Onlinehandel bietet Hermes Privat- wie auch Geschäftskunden komfortable und einfache Versandlösungen, attraktive Preise sowie ein umfangreiches Servicespektrum. Hermes bietet mit seinen entsprechend spezialisierten Gesellschaften über das Paket hinaus vielfältige Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette des Handels – und das global. Von der globalen Textilbeschaffung über Produkt- und Qualitätsprüfung hin zu Transportlogistik in der Luft, auf See und im Schienenverkehr. Darüber hinaus entwickelt und betreibt das Unternehmen Online-Shops und eCommerce-Lösungen. Hermes ist mit seinen rund 12.000 Mitarbeitern damit weltweit der einzige Dienstleister, der einen derartig kompletten Full-Service anbietet.

Was sind Eure größten, täglichen Herausforderungen?

Das e-Commerce Geschäft boomt. Immer mehr Pakete werden täglich durch Deutschland geschickt. Neben vielen Chancen stecken in einem solchen wachsenden Markt natürlich auch große Herausforderungen: Wachsende Kundenanforderungen, der Wunsch nach flexibleren und schnelleren Lieferzeiten, die ausgebliebene Liberalisierung des deutschen KEP-Marktes und erhöhter Wettbewerbsdruck gehen einher mit dem boomenden Geschäft. Dies beflügelt zwar einerseits die Branche, denn innovative Services bieten dem Empfänger immer mehr Möglichkeiten, seine Sendung zu dem Zeitpunkt und an dem Ort zu erhalten, wo er es gerade wünscht. Andererseits zeichnet sich das Paketgeschäft durch bemerkenswert niedrige Margen aus. Es ist für die Branche nach wie vor schwierig, faire Preise für die immer komplexer werdende Paketzustellung zu generieren. Es fehlt pro Sendung bis zu einem Euro, um auskömmliche Renditen zu erwirtschaften, die wiederum für Investitionen in die logistische Infrastruktur oder für höhere Löhne bei den Zustellern genutzt werden können.

Was versteht Ihr unter dem Begriff Digitalisierung?

Digitalisierung ist technologiegetrieben, im Kern geht es um die Nutzbarmachung von Daten aller Art.  Das eigentliche Phänomen besteht jedoch in der Ausbreitung der praktischen Möglichkeiten, die sich mit den Technologien ergeben. Hier sind sämtliche Lebens- und Arbeitsbereiche betroffen. Alles was digitalisiert werden kann wird auch digitalisiert werden. Für viele Corporates besteht dabei die Herausforderung neben der stetigen innovativen Optimierung auch in neuen (disruptiven) Geschäftsmodellen zu denken. Unser Verhalten verändert sich, unsere Arbeitsabläufe, unsere Kommunikation sowie die Produkte und Services, die wir nutzen. Es entstehen ganz neue Industrien und Geschäftsfelder. Für Hermes besteht einerseits die Pflicht, andererseits der unbedingte Wille, sich dessen anzunehmen. Die Digitalisierung bringt für die Logistik große Chancen mit sich.

Seht Ihr euch eher als "Digital Fans" oder als "Digital Beginners" und warum?

Orientiert man sich an Eurer Definition, sind wir wahrscheinlich eher ein Fan, denn wir benutzen bereits heute webbasierte Tools, wie etwa ein Bewerbermanagement-Tool. Zudem waren wir die ersten im Paketmarkt, die für Geschäftskunden eine Online-Plattform eingeführt haben – das war 2006. Wir bieten diverse Services für unsere Kunden digital an, zum Beispiel den mobilen Paketschein. Doch die Digitalisierung ist nie fertig und sie beginnt erst jetzt, unser originäres Geschäft wirklich zu beeinflussen, sodass man in wechselnden Teilbereichen nie aus dem Stadium des „Beginners“ wirklich herauskommen wird. Eine Digitalisierungs-Strategie von der Stange gibt es nicht, sondern vielmehr wird es darauf ankommen, dass die Digitalisierung fester Strategiebestandteil ist. Das Digital Mindset der Organisation ist dabei von entscheidender Bedeutung.

In welchen Bereichen arbeitet Ihr bereits mit webbasierten Tools?

Wir arbeiten im Personal mit einem Bewerbermanagement-Tool, im Bereich Finance mit einem Rechnungsworkflow-System, mit Kunden-Portalen und internem Wiki in der IT, CRM oder BI Lösungen im Controlling.

Inwieweit hat sich Euer Arbeitsalltag durch Digitalisierungsprozesse verändert?

Hier gibt es zwei prägnante Beispiele, die wir gerne anführen möchten. Im Rahmen des Bewerbermanagements-Tool sind wir nicht nur bei der Bearbeitung von Bewerbungsunterlagen deutlich schneller geworden, sondern führen seit circa drei Jahren auch Skype-Interviews durch. Unser Online-Portal für kleinere und mittelständische Versender ermöglicht darüber hinaus einen Vertragsabschluss und die Initiierung der ersten Abholungen von Paketen innerhalb von 24 Stunden. Die vorher langwierige Angebots- und Vertragserstellung wurde um mehr als eine Woche verkürzt.  Kunden brauchen sich keine Paketscheine mehr auszudrucken, sondern bringen mit einem mobilen Paketschein ihre Pakete auf die Reise.

Vielen Dank an Roger Hillen-Pasedag von Hermes.